Heute plaudert bei "Schreibtischgeflüster" eine unserer neuen Autorinnen -
Marina Cavo - über ihre erste PersonalNovel, das Jugendbuch "Doppelleben mit Hindernissen", und die Besonderheiten, einen personalisierbaren Roman zu schreiben:
"Mir hat es viel Freude gemacht, eine PersonalNovel zu schreiben. Einen Roman zu entwickeln, in dem der Leser selbst eine Rolle spielt und die Geschichte dadurch hautnah miterlebt, war für mich eine spannende Herausforderung.Hierbei hat mich gerade das Thema `geheimes Doppelleben´ gereizt, weil ich denke, dass sich sicherlich viele Leser darin wiederfinden werden. Wer verspürt nicht manchmal den Wunsch, ein ganz besonderes Leben zu führen, auszubrechen aus dem Alltag, sein Talent zu nutzen und seinen größten Traum zu verwirklichen? Die Hauptperson in „Doppelleben mit Hindernissen“ möchte genau dieses tun. Sie möchte unbedingt modeln. Aber kaum wagt sie die ersten Schritte in die richtige Richtung, fangen die Schwierigkeiten an. Es ist nun mal nicht einfach, das aufregende neue Leben mit dem Alltagsleben in Einklang zu bringen. Und die Hauptperson muss doch so viele Dinge unter einen Hut bekommen: Modeln, Schule, Hausaufgaben, mit den Freundinnen shoppen gehen. Und dann ist da ja auch noch dieser nette Junge aus der Parallelklasse ... Wie soll das alles zusammenpassen; vor allem, wenn Eltern und Mitschüler nichts vom Geheimnis mitbekommen dürfen? Tja, irgendwann heißt es `ganz oder gar nicht´ und unsere Hauptperson muss sich für oder gegen ihren Traum entscheiden.Bereits während des Planens und Schreibens habe ich mir als Autorin Gedanken über zukünftige Leser gemacht. Wichtig war es mir dabei, eine Geschichte zu erzählen, in der sich der Leser wiederfindet und in der er ein spannendes, gleichzeitig auch lustiges Abenteuer erlebt." Nicht verpassen: "Doppelleben mit Hindernissen" erscheint im Juni 2011 - hier gibt es schon mal exklusiv einen kleinen Vorgeschmack*:
Sie waren schon fast zu Hause, als
Mina den Kampf mit ihren widerspenstigen Haaren aufgab. Es hatte überhaupt keinen Zweck – dieses Hammerhaarspray musste man anscheinend auswaschen, denn ausbürsten war völlig unmöglich. Bevor es raus war, hatte man sich sämtliche Haare ausgerissen. Ihre Kopfhaut brannte schon wie Feuer. Sie würde gleich erst mal schnell im Bad verschwinden und den Kopf unter
Wasser halten.
Bevor sie es vergaß, hielt sie ihrem Onkel an einer roten Ampel rasch den Elternbrief hin.
„Kannst du hier noch mal kurz unterschreiben?“, bat sie. „Ich möchte so gerne am Freitag bei einem Fotoshooting mitmachen. Und mit Mama und Papa ist das ja alles so schwierig. Die erlauben so was nie. Also, wenn die hören würden, dass ich model – oh je!“
„Ach ja, mein lieber kleiner Bruder“, seufzte Onkel
Gerd. „Er nimmt immer alles so schrecklich ernst. Als Kind konnte man ihn aber dafür immer herrlich veräppeln.“ Er lachte leise, anscheinend war ihm eine witzige Sache von früher eingefallen. „Also wenn du meine Tochter wärest, dann dürftest du alles. Na ja, zumindest fast alles.“ Ihr Onkel grinste vergnügt und unterschrieb den Zettel.
„Vielen Dank. Du bist echt klasse.“
Mina strahlte.
„Und, was habe ich jetzt bestellt?“, feixte er. „Drei Toaster und fünf Waschmaschinen?“
„Genau. Und dazu für mich einen tollen Casting-Freitag“, gab
Mina zurück.
(…)
Mina lief rasch zum Haus. Sie schob den Schlüssel ins Schloss und sah vorsichtig nach, ob die Luft rein war. Alles klar. Sie huschte über den Flur und wollte sich schnell ins Gästebad verdrücken. Doch in dem Moment knipste jemand von unten das Flurlicht an. Und im nächsten Augenblick kam auch schon Papa mit einer Tüte Chips in der Hand die Kellertreppe hoch. Verflixt, genau das hatte
Mina vermeiden wollen. Als Papa
Mina sah, ließ er vor Schreck die Chipstüte fallen. Im Gegensatz zu Onkel
Gerd war er von ihrem Anblick überhaupt nicht angetan.
„
Mina, wie siehst du denn aus?“, rief er viel zu laut.
„Ich muss mal schnell…“
Doch es war zu spät. Mama kam bereits aus dem Wohnzimmer angelaufen, um zu sehen, was los war. Sie hielt ein Butterbrot in der Hand und sah müde und genervt aus. Neben ihr stand
Jonas, schon im Schlafanzug, aber immer noch mit seiner Detektivlupe um den Hals.
Na prima, dachte
Mina resigniert. Kamen gleich auch noch die Nachbarn, um sie blöde anzuglotzen?
„Ich dachte, du machst mit
Jana das Referat“, stieß Mama geschockt hervor. „Stattdessen kommst du wie Frau Hintersusel persönlich hier an.“ Frau Hintersusel war die Metzgerfrau. Sie trug eine strubbelige Dauerwelle, die viel zu wuchtig war für ihr schmales Gesicht.
Wenigstens hatte Mama noch ein bisschen Humor behalten. Aber so böse wie sie aussah, brauchte
Mina nun doch eine gute Erklärung. Sie warf einen Blick in den Flurspiegel. Oh Gott, Mama hatte recht. Das da im Spiegel sah Frau Hintersusel verdammt ähnlich. Das heftige Bürsten hatte alles viel schlimmer gemacht.
„Wir haben ja auch was fürs Referat gemacht“, sagte sie schnell und merkte mal wieder, wie schlecht sie flunkern konnte. Andere konnten das bestimmt tausendmal besser. Sie spürte, wie ihr Gesicht heiß und tomatenrot wurde. „Und als wir mit dem Referat fertig waren, wollte
Jana unbedingt was mit meinen Haaren ausprobieren. Weil, also sie hat doch ganz andere Haare als ich. Ich meine, von der Länge her und der Haarstruktur und so.“
„Hm“, machte Mama unzufrieden und betrachtete sie mit diesem typischen Mama-Blick, der einen zu durchleuchten schien. Sie wollte noch etwas sagen, wurde aber von
Jonas abgelenkt, der sich mit wildem Gekicher die Lupe vors Auge hielt. Dämlich glotzte er
Mina dadurch an.
„Aha, so so“, sagte er. Und gleich noch einmal: „Aha, so so.“
* (Kursiv: wird durch Ihre Angaben ersetzt)
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